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Dies wird von der Unfallstudie eindrucksvoll bestätigt. Die erste Tabelle verdeutlicht, dass bei 19 der 28 Fälle, in denen die beteiligten Nutzfahrzeuge mit seitlichen Schutzvorrichtungen ausgerüstet waren, die ungeschützten Verkehrsteilnehmer dennoch überrollt wurden. Das sind fast 70%! Dass der Überroll-Anteil bei den Fahrzeugen ohne Schutzvorrichtung noch geringer zu sein scheint, ist darauf zurückzuführen, dass hier die Klein-Lkw einen größeren Anteil ausmachen.
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Opfer überrollt |
Opfer nicht überrollt |
Gesamt |
ohne seitl. Schutzvorrichtung |
46 |
38 |
84 |
mit seitl. Schutzvorrichtung |
19 |
9 |
28 |
k.A. |
3 |
26 |
29 |
Gesamt |
68 |
73 |
141 |
Bei einigen der Fälle kam es dadurch zum Überrollen, dass die Radfahrer gar nicht von der Schutzvorrichtung getroffen wurden, sondern von anderen Teilen der Nutzfahrzeuge, insbesondere der rechten vorderen Ecke. Selbst wenn die Abweisvorrichtungen jedoch direkt beteiligt war, erfüllte sie in den meisten Fällen nicht ihre Funktion. Dies erkennt man auf der zweiten Tabelle.
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Opfer überrollt |
Opfer nicht überrollt |
Gesamt |
seitl. Schutzvorrichtung nicht beteiligt |
60 |
45 |
105 |
seitl. Schutzvorrichtung beteiligt |
5 |
2 |
7 |
k.A. |
3 |
26 |
29 |
Gesamt |
68 |
73 |
141 |
Von Fachleuten wird deshalb schon seit langem gefordert, dass seitliche Abweisvorrichtungen flächig ausgeführt und weit nach unten gezogen werden müssen, damit sie ihre Funktion erfüllen können. Aufgrund dieser Forderungen hat z. B. die Berliner Stadtreinigung (BSR) freiwillig ihre Lkw mit entsprechenden Vorrichtungen ausgerüstet.
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Einen Schritt weiter ist Schimmelpfennig mit seinem "safeliner" gegangen. Hier wird die Schutzvorrichtung nicht zusätzlich angebracht sondern ist Teil der tragenden Strukturen eines Sattelaufliegers. Diese Bauart bietet zugleich Schutz beim seitlichen Aufprall von Pkw.
Gewissermaßen naturgemäß sind Busse mit flächigen und mit tiefgezogenen Seitenteilen ausgestattet. Man sollte mithin erwarten, dass ungeschützte Verkehrsteilnehmer von rechts abbiegenden Bussen nicht überrollt werden. Unsere Untersuchung hat aber
gezeigt, dass diese Erwartung nicht bestätigt werden kann. Bei drei der vier untersuchten Unfälle mit Bussen wurden die Opfer überrollt und getötet. Bei einem der Busunfälle wurde das Unfallopfer von der Front rechts erfasst, zweimal von dem Bereich zwischen
den Achsen. Auch flächige Abweisvorrichtungen können ein Überrollen also nicht immer verhindern. Worauf ist das zurückzuführen?
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Zum einen kann selbst bei einer optimalen Abweisvorrichtung wie z. B. der des Safeliners, ein Überrollen nicht mit absoluter Sicherheit verhindert werden. Die Bodenfreiheit, auf die beim Betrieb des Fahrzeugs nicht verzichtet werden kann, reicht im Prinzip dafür aus, dass eine gestürzte Person noch unter das Fahrzeug geraten kann. Wird ein Radfahrer z. B. von der Seite rechts vorne eines Lkw erfasst und stürzt auf den Boden, kann er zwar in der Regel nicht von der Vorderachse des Lkw überrollt werden. Er kann aber durch den Nachlauf der Hinterachsen ohne Weiteres zwischen die Achsen geraten und von einem Hinterrad überrollt werden. Besonders ausgeprägt ist dieser Nachlauf bauartbedingt bei Sattelzügen. Das Bild verdeutlicht das Prinzip.
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Auch optimale Maßnahmen der passiven Sicherheit können bei der hier untersuchten Unfallart nur begrenzt wirksam sein. Ein Hauptaugenmerk ist damit auf die aktive Sicherheit, d. h. die Verhinderung der Unfälle - oder jedenfalls des Überrollens - zu richten.
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Steigerung der aktiven Sicherheit
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Bis heute wird der Aspekt der aktiven Sicherheit bei der hier untersuchten Unfallart fast immer unter der Überschrift des "toten Winkels" behandelt. Landläufig wird darunter die Lücke zwischen dem Bereich verstanden, der direkt durch das Fenster erkannt werden kann und dem, der indirekt im Spiegel beim Blick nach rechts hinten sichtbar ist. Diese Einengung setzt jedoch den falschen Schwerpunkt. Zum einen wird der klassische "tote Winkel" bereits durch den Weitwinkelspiegel stark vermindert.
Zum anderen ist gar nicht der Bereich rechts hinter dem Lkw, sondern der rechts vorne besonders problematisch. In der Tat ist dieser Bereich auch bei heutigen Lkw, wie im übrigen der gesamte Nahbereich vor der Front, ein blinder Fleck. Der Rampenspiegel kann allenfalls einen kleinen Teil abdecken. So zeigt denn auch die Analyse des Unfallgeschehens, dass der Erstanstoß in über 40 % der Fälle vorn rechts stattfindet.
In der Vergangenheit wurden bereits verschiedene Vorschläge erarbeitet, wie der Problembereich rechts vorne entschärft werden kann. Viele davon sind im Prinzip preiswert zu verwirklichen.
Alle Systeme, welche die Sicht aus Lkw durch zusätzliche Spiegel oder auch Video-Kameras etc. verbessern, haben jedoch eine prinzipielle Schwäche: Sie setzen voraus, dass der Lkw-Fahrer sie auch benutzt. Erfahrungen der forensischen Unfallanalyse zeigen, dass in den meisten Fällen der Lkw Fahrer den ungeschützten Verkehrsteilnehmer auch mit den vorhandenen Möglichkeiten direkter und indirekter Sicht zumindest zu irgendeinem Zeitpunkt hätte wahrnehmen können. Meist ist es ja ohnehin so, dass der später verunglückte Radfahrer kurz zuvor vom Lkw überholt worden war. Der Fahrer hätte sich folglich vergewissern müssen, wo der Radfahrer geblieben ist, bevor er abzubiegen beginnt.
Obwohl auch die Sicht aus Lkw mit Sicherheit verbesserungswürdig ist, liegt hier offensichtlich nicht das Kernproblem. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass die Lkw-Fahrer in der konkreten Situation des Rechtsabbiegens häufig überfordert sind. Ein Lkw-Fahrer, der an einer belebten und möglicherweise eng gestalteten großstädtischen Kreuzung, mit einem schweren Sattelzug rechts abbiegt, kann sich gar nicht im erforderlichen Maß auf die mögliche Gefahr konzentrieren, die er für Radfahrer und Fußgänger rechts neben und rechts vor seinem Fahrzeug darstellt. Er muss beim Abbiegen ebenso die linke Seite seines Fahrzeugs beobachten und natürlich den Verkehrsraum vor ihm. Passive Systeme, die lediglich die Sichtmöglichkeiten verbessern, können hier nur wenig helfen.
Die erweiterten Möglichkeiten der Elektronik haben es nunmehr erlaubt, stattdessen aktive Warnsysteme zu entwickeln, welche das Auftauchen eines ungeschützten Verkehrsteilnehmers detektieren und den Fahrer (etwa durch ein akustisches Signal) davor warnen. Auf Einzelheiten dieser Systeme soll im Rahmen dieses Beitrags nicht eingegangen werden. Auf jeden Fall aber ist der Einsatz aktiver Warnsysteme der beste Weg zur Entschärfung dieser Unfallsituation.
Das beste aktive System bleibt allerdings ein entsprechend geschulter Beifahrer, der den Fahrer in kritischen Situationen entlasten kann und die Bereiche beobachtet, die von der Fahrerposition schwer zu sehen sind.
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